24h von Le Mans 2019: Toyota #8 (ALO/BUE/NAK) gewinnt unverhofft

24h von Le Mans 2019 Toyota #7

Es sollte nicht sein: Noch eine Stunde vor Schluss lag der Toyota #7 bei den 24h von Le Mans 2019 klar in Führung. Doch dann: ein Reifenschaden. Logo, dass damit ein Boxenstopp anstand. Und der Sieg futsch war…

Gut 23 Stunden durfte das Toyota-Trio Jose Maria Lopez, Kamui Kobayashi sowie Mike Conway im Renner #7 vom großen Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans träumen. Für jeden der drei Piloten wäre es der allererste Sieg in Le Mans überhaupt gewesen. Doch manchmal ist der Renngott ohne Gnade. So auch dieses Mal. Vom Start weg führte das Trio jedenfalls die 24 Stunden souverän an, der Abstand auf den Schwesternrenner #8 wuchs von Stunde zu Stunde. Zur vorletzten der 24 Stunden führte der Toyota #7 mit mehr als zwei Minuten. Doch zu Beginn der letzten Stunde das Drama, die #7 rollte plötzlich nur noch langsam um den Kurs an der Sarthe.

Reifenschaden: Toyota #7 verliert Le Mans-Sieg

Lopez steuerte prompt die Box an, doch dort setzte sich das Drama fort. Statt alle vier Reifen wechselte Toyota nur einen Walzen – und zwar den falschen. Zurück auf der Strecke musste Lopez daher eine weitere Runde auf dem kaputten Schlappen drehen und erneut an die Box kommen. Wie das passieren konnte? Schuld war laut Toyota das Reifenluftdrucksystem des hybriden TS050. Denn dessen Sensoren meldeten den falschen Reifen als defekt. Das eigentliche Problem war allerdings ein anderer Punkt. Toyota hatte „Pechito“ gerade erst einen frischen Satz Gummis auf die Achsen geschnallt. Dieser war der letzte der zwölf Sätze, die jedem Team für die 24h von Le Mans 2019 zur Verfügung standen.

Ironie des Schicksals: Da Toyota keinen frischen Satz mehr übrigens hatte, wechselte das Team nur den (angeblich) defekten Reifen. So wollte man weitere Schäden verhindern. Denn sonst hätten die Japaner einen Satz aufziehen müssen, der schon vier Stints auf dem (abgefahrenen) Gummi hatte. Für den Toyota #7 hatte jedenfalls der Wechsel des falschen Reifens böse Folgen. Nachdem Lopez erneut an die Box musste, war der Vorsprung dahin. Stattdessen lag der Toyota #7 nun hinter dem Toyota #8. So sollte es bis ins Ziel bleiben. Toyota dachte zwar kurzzeitig über eine Stallorder nach, zog diese dann aber doch nicht durch.

24h von Le Mans 2019: Toyota #8 holt WM

So suchte sich „Le Mans wieder einmal selbst den Sieger aus“, wie Toyota-Motorsportchef Rob Leupen treffend formulierte. Diese hießen dann – wie schon 2018 – Fernando Alonso, Sébastien Buemi und Kazuki Nakajima. Die Drei krönten sich mit ihrem Sieg außerdem zu den neuen Weltmeistern der LMP1-Klasse. Nakajima ist zudem der erste Weltmeister einer FIA-Meisterschaft aus Japan. Glückwunsch. Alonso wiederum holte seinen ersten großen Titel nach seinen F1-Weltmeisterschaften 2005 sowie 2006. Ebenfalls Glückwunsch. Die große Triple Crown – Siege in Monaco (F1), Indy 500 (Champ Car) und Le Mans – bleibt dem Asturier allerdings (noch) verwehrt. 2019 schaffte der Spanier nicht einmal die Qualifikation zu den 500 Meilen von Indianapolis.

Die Kategorie LMP2 gewann das Trio Nicolas Lapierre, André Negrao und Pierre Thiriet im Signatech-Alpine #36, das damit auch den LMP2-Titel holte. In der GTE-Pro siegten Daniel Serra, James Calado und Alessandro Pier Guidi im AF-Corse-Ferrari #51. Den Titel in der Klasse holten hingegen Michael Christensen, Kevin Estre und Laurens Vanthoor im Porsche #92. In der Pro-Am triumphierten schließlich Jeroen Bleekemolen, Felipe Fraga und Ben Keating im Keating-Ford #85. Allerdings wurde das Trio nach dem Rennen disqualifiziert – der Tank des Ford GT war zu groß. Der Sieg ging daher (wie der Titel) an Jörg Bergmeister, Patrick Lindsey und Egidio Perfetti im Project-1-Porsche #56.

Fernando Alonso: „verdienen diesen Sieg nicht“

Fernando Alonso fühlte jedenfalls mit seinen Kollegen im Toyota #7 mit. O-Ton Alonso:

„Das Rennen lief nicht nach unserem Geschmack. Die #7 war über 24 Stunden schneller als wir. Doch letzten Endes entschied das Glück, wer den Pokal bekommt. Eben dieses Glück hatten wir heute. Möglich, dass wir diesen Sieg nicht verdienen. Doch wir nehmen ihn.“

Zugute halten muss man dem Toyota #8, dass man in den ersten Stunden immer in Tuchfühlung zum #7 lag. Nur gute neun Sekunden trennten die beiden Toyota voneinander. Erst in der Nacht konnte der Toyota #7 davon ziehen, hatte der Toyota #8 wegen eines Schadens an der Karosserie doch mit der Aerodynamik zu kämpfen. Mit dem späteren Reifendebakel lag der Toyota #8 zuletzt dann 17 Sekunden vor dem Toyota #7.

Dennoch, auch Team-Präsident Hisatake Murata ist zerrissen:
„Natürlich freuen wir uns über unseren zweiten Sieg in Le Mans, aber dem gesamten Team tun Mike, Kamui, José und die gesamte Crew #7 leid, die heute den Sieg verdient hätten. Nichtsdestotrotz bin ich sehr stolz auf die Leistung und auf den Team-Geist, den wir das gesamte Rennen über gezeigt haben, auch in den schwierigen Augenblicken in der letzten Stunde. Herzlichen Glückwunsch an die neuen Weltmeister Sébastien, Kazuki und Fernando, auch für ihren zweiten Sieg in Le Mans.“

Zuletzt noch ein paar Zahlen. Die Sieger drehten bei den 24h von Le Mans 2019 genau 385 Runden. Die schnellste Runden brannte der Toyota #7 mit 3:17,297 min in den Asphalt. Live und somit vor Ort an der Strecke verfolgten die 87. Auflage von Le Mans 252.500 Fans. Bis zum nächsten Jahr…

Bild: Toyota – Video: YouTube / FIAWEC

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