GP Singapur 2019: Vettel gewinnt „Nacht-GP“ vor Leclerc & Verstappen

GP Singapur 2019: Vettel gewinnt „Nacht-GP“ vor Leclerc und Verstappen

Die letzten zwei Rennen war Vettel der große Verlierer – weil Leclerc sowohl in Belgien sowie vor allem in Monza gewann. Doch beim GP Singapur 2019 drehte „Seb“ den Spieß endlich um – und gewann zum fünften Mal in der Nacht!

Er kann es doch noch. Und zwar siegen! Jawohl, die Rede ist von unserem Seb. Dank einem Update (Nase und Unterboden) für seinen Ferrari scheint Vettel der SF90 nun besser zu schmecken. Dabei hatte niemand, wirklich niemand, die Roten auf dem Schirm. Mercedes und Red Bull galten als die Favoriten. Ferrari nicht. Zu viele Kurven. Zu wenige Geraden. Tatsächlich war Vettel im ersten Training Zweiter knapp hinter Verstappen. Hamilton kam nur auf P3, hatte jedoch den härteren Reifen drauf und verlor trotzdem keine sieben Zehntel. In FT2 dann lag Vettel satte acht Zehntel zurück. Wie erwartet. In FT3 war aber plötzlich Leclerc der Schnellste. Sowie dann auch im Qualifying, in welchen Seb Dritter wurde. Zwischen den zwei Ferrari: Hamilton. Pole für Ferrari? Darauf hätte ich mein Geld nicht gesetzt. Du?

Die Top 10 zum GP Singapur 2019 hießen jedenfalls Leclerc vor Hamilton, Vettel, Verstappen, Bottas, Albon, Sainz, Hülkenberg, Norris und Giovinazzi. Auf P8 hätte eigentlich Ricciardo stehen sollen. Doch den Australier disqualifizierten die Stewards, weil dessen Renault-Hybrid kurzzeitig zu viel Leistung freigab.

Nacht-Grand Prix zuerst recht öde…

Beim Start blieb Leclerc in Front, Vettel wagte prompt den Angriff auf Hamilton. Dennoch: Die Top 6 blieben unverändert. Hülkenberg, Norris und Giovinazzi gewannen dagegen jeweils eine Position, Magnussen sogar drei. Sainz wiederum fuhr dem Feld plötzlich hinterher und humpelte mit einem platten Hinterrad an die Box. Was war denn da passiert? Kurz und knapp: Der Spanier war mit Hülkenberg aneinander geraten, der ebenfalls mit einem Platten vorn links an die Box musste. Ebenso wie obendrein Russel. Logisch, dass der Fall Hülk/Sainz prompt bei den Stewards landete. Die entschieden kurz darauf auf „no further action“. Let them race. Gut so. Denn danach war erst mal gar nichts mehr los.

Das erste Renndrittel mutierte zum Langweiler. Leclerc bestimmte das Tempo, konnte sich aber nicht absetzen. Im Mittelfeld war (etwas) mehr los. In Runde sieben kassierte Ricciardo Stroll, das war P13. Damit hatte der Aussie schon einige Plätze gutgemacht, war Ricciardo – dank Sondergenehmigung – doch als Letzter gestartet. In Runde elf schnappte sich Perez Kwjat auf P14. Eine Runde später war das „Reifenfenster“ offen. Ab jetzt würde ein Wechsel auf den Hard ein Durchfahren erlauben.

GP Singapur 2019: Vettel mit frühem Stopp

In Runde 13 kam tatsächlich Kwjat als erster zum Service, eine Runde später Perez. Beide ließen sich den Hard aufziehen. Kwjat brannte dann gleich mal eine neue Bestzeit in die Bahn. Die Top 6 – Leclerc, Hamilton, Vettel, Verstappen, Bottas, Albon – lag innerhalb von nur fünf Sekunden. In Runde 16 erledigte Räikkönen seinen Pflichtstopp, auch der Finne setzte auf den Hard. Auf frischen Reifen gab es nun mehr Action. Räikkönen kassierte Kubica, der sich kurz darauf auch Perez und Kwjat beugen musste. Weiter vorn biss sich hingegen Hülkenberg an Grosjean die Zähne aus. Anfangs der 18 Runde rollte Magnussen an die Box. Verstappen wiederum funkte „sehr wenig Grip“. Der Red Bull-Pilot schien in Bedrängnis, Bottas hing dem Niederländer direkt im Diffusor.

Zur 20. Runde rollte Verstappen prompt zum Reifenwechsel, ebenso wie Vettel. Zurück auf der Strecke war Verstappen Zwölfter, Vettel Zehnter. Interessant: Der Stopp kostete rund 27 Sekunden. Eine Runde später holten sich Leclerc, Albon sowie Norris frische Gummis ab. Hamilton war damit neuer Führender. Allerdings bekam der Brite schon den Befehl: „Box, Box, Box“. Die Überraschung war jedoch Vettel, der plötzlich vor Leclerc lag. Der Undercut dürfte kaum Absicht gewesen sein, hatte für den Deutschen aber bestens funktioniert. Die zweite Überraschung: Hamilton kam nicht an die Box. Konnte das gut gehen? Wohl kaum, denn Vettel lag nur 26 Sekunden zurück.

Singapur: Mercedes-Strategen hauen daneben

Stattdessen rollte zur 23. Runde Bottas zum Service. Auf der Strecke überholte derweil Albon Hülkenberg, Räikkönen wiederum Grosjean. 25. Runde: Hamilton blieb weiterhin draußen, Vettels Abstand schrumpfte auf 24 Sekunden. Das schaute gut für den Deutschen aus, zumal dieser pro Runde gut 1,5 Sekunden schneller war. Apropos: Vettels letzter Sieg war in Belgien 2018, also vor 392 Tagen. Zur 27. Runde kam Hamilton endlich zum Service, womit Giovinazzi im Alfa Romeo (!) in Führung ging. Zurück auf der Strecke war Hamilton Achter und lag knappe acht Sekunden hinter Vettel. Die Mercedes-Strategen hatten beim GP Singapur 2019 wirklich nicht ihren besten Tag. Zumal Mercedes Bottas sogar bitten musste zu verlangsamen, da Hamilton sonst sogar hinter Albon zurückgefallen wäre.

Die Top 4 hießen nun übrigens Giovinazzi, Gasly, Ricciardo und Stroll. Allerdings war das Quartett noch nicht an der Box. Von daher lag eigentlich Vettel als Fünfter in Front. Dahinter: Leclerc, Verstappen, Hamilton, Bottas. Entsprechend kämpften sich die Toppiloten Platz für Platz nach vorn. In Runde 29 schnupfte Vettel Ricciardo auf P3, Leclerc Stroll auf P5. Eine Runde später kassierte Vettel Gasly auf P2, Verstappen Stroll auf P6. Wieder eine Runde später überholte Vettel Giovinazzi und führte damit tatsächlich das Rennen an. Leclerc ging an Ricciardo vorbei, kurz darauf schnappte sich auch Verstappen den Aussie. Wenig später ging Stroll an die Box, ebenso wie kurz darauf Gasly. Giovinazzi blieb draußen, wurde dafür aber nun durchgereicht. Erst ging Verstappen am Italiener vorbei, dann Hamilton, dann Bottas, dann Albon, dann Ricciardo.

Drei Safety Car beim GP Singapur 2019

Der Australier war dabei etwas ruppig, es kam zum Kontakt. Wenige Kurven später gingen Hülkenberg und Norris im Paarflug am waidwunden Alfa Romeo vorbei. Das Team hatte ein Einsehen und spendierte dem Youngster einen frischen Satz Hard. Ricciardo war ebenfalls an der Box, der Aussie hatte sich bei seinem Manöver gegen Giovinazzi einen Reifenschaden zugezogen. Dann plötzlich gelb, Russel stand auf der Strecke. Das Replay zeigte: Grosjean wollte den Briten überholen, dabei kam es zur Berührung und Russel rutschte in die Mauer. Das erste Aus für einen Williams anno 2019. Die Rennleitung schickte das Safety Car auf die Strecke, Grosjean holte sich eine neue Nase ab.

Vettel gewann übrigens schon vier Mal in Singapur: 2011, 2012, 2013 und 2015. Ebenfalls vier Siege kann Hamilton im Stadtstaat vorzeigen: 2009, 2014, 2017 sowie 2018. In Runde 41 gab es wieder grün, DRS wäre allerdings erst wieder in zwei Runden erlaubt. Perez schnappte sich prompt Gasly, dann rumste es zwischen Gasly und Stroll. Der Kanadier musste daraufhin mit einem Plattfuß an die Box. Zwei Runden später schnappte sich Hülkenberg Gasly. Schon gab es wieder gelb, Perez rollte aus. Safety Car. Ferrari nutzte die „Pause“ für eine Botschaft an Leclerc: „Bring’ das Auto nach Hause“. Die leicht genervte Antwort Leclercs: „Ja ja, ich mach’ schon keine Dummheiten“. Der Monegasse schien wegen Vettels Undercut angefressen – durchaus zu Recht.

Ferrari erstmals wieder in Doppelführung

Zur 48. Runde gab die Rennleitung das Rennen wieder frei, noch 13 Runden. Vettel blieb vor Leclerc und Verstappen in Führung. Zur Info: Den letzten Doppelsieg feierte Rot in Ungarn 2017, also über zwei Jahren. Die Topfahrer blieben jedenfalls brav, dahinter wurde gekämpft. Räikkönen verlor erst P9 an Gasly, kurz darauf P10 an Hülkenberg. Giovinazzi kassierte Kwjat auf P12, Gasly und Hülkenberg quasi im Doppel Magnussen. Eine Runde später überholte Giovinazzi Räikkönen. Wieder eine Runde später erneut Gelb: Räikkönen stand in der Mauer. Kwjat hatte eine Attacke auf den Finnen gewagt, worauf beide zusammen rasselten und Räikkönen mit gebrochener Aufhängung in die Bande rutschte. Das gab das dritte Safety Car.

So langsam wurde es zeitlich eng. Laut der 2-Stunden-Regel standen nur noch 17 Minuten auf der Uhr. In der 52. Runde kam das Safety Car rein, noch zehn Runden. Vettel behielt die Führung, Leclerc hingegen schickte wütende Funksprüche an seine Box. Hülkenberg meldete Probleme mit dem Getriebe. Zwei Runden später gab die Rennleitung DRS frei. Prompt schnappte sich erst Stroll Magnussen auf P14, dann zog obendrein Kwjat am Dänen vorbei. Kurz darauf rollte Magnussen an die Box und ließ sich einen Satz Soft aufziehen.

Sebastian Vettel feiert ersten Saisonsieg

Noch fünf Runden. Hamilton machte Jagd auf den drittplatzierten Verstappen, der Abstand lag bei gerade mal einer halben Sekunde. Doch der Stadtkurs spielte dem Niederländer in die Karten, der ganz offensichtlich das langsamere Auto hatte. Apropos schnell: Die schnellste Runde stellte derweil Magnussen auf. Dann brach schon die letzte Runde an. Wenig später gewann Vettel sein erstes Rennen in der Saison 2019. Vor Leclerc und Verstappen sowie Hamilton, Bottas, Albon, Norris, Gasly, Hülkenberg und Giovinazzi. Magnussen ging übrigens trotz schnellster Runde beim GP Singapur 2019 leer aus. Den Extrapunkt gibt es nur für die Top 10-Fahrer…

Bild: Ferrari

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