GP Kanada 2019: Hamilton gewinnt in Montreal nach Vettel-Strafe

GP Kanada 2019: Hamilton gewinnt in Montreal nach Vettel-Strafe

War der GP Kanada 2019 ein Skandal? Ein Langweiler war das Rennen auf jeden Fall. Obwohl Vettel und Hamilton zuletzt hitzig um den Sieg kämpften. Dabei war dieser wegen einer Strafe schon entschieden.

Endlich: Ferrari war in Montreal mal wieder obenauf. Doch ein Fahrfehler sollte Vettel teuer zu stehen bekommen. Dabei schaute es nach langer Zeit mal wieder richtig gut für die Roten aus. Im ersten Training noch deutlich zurück, schlug die Scuderia zurück. Pole Position im Qualifying dank Vettel, zwei Zehntel vor Hamilton. Leclerc auf drei, Bottas nur auf sechs. Ebenfalls positiv Renault: Ricciardo schaffte P4 (!), Hülkenberg P7.

Beim Start in den GP Kanada 2019 ging jedenfalls noch alles glatt. Vettel kam gut weg und blieb in Front. Hamilton musste sich Leclerc erwehren, konnte P2 aber halten. Tatsächlich taten sich die Silberpfeile anfangs schwer. Bottas musste sich beim Start gar Hülkenberg beugen. Vettel zog hingegen leicht davon und brannte schon die erste Bestzeit in die Bahn: 1:17,197. Eine Runde später folgte eine 1:16,846. Entsprechend hatte der Ferrari-Star anfangs Runde vier schon 1,7 Sekunden Vorsprung auf Hamilton.

GP Kanada 2019: Mercedes anfangs recht zahnlos

Nach den ersten Runden war klar: Ferrari kam mit dem Medium besser zurecht als Mercedes. Die Bestzeiten purzelten. Zumindest bei den Roten. Mercedes schien dagegen nicht in Form, Bottas kam nicht mal an Ricciardo vorbei. Trotz langer Gerade, trotz mehr Power, trotz DRS. In Runde acht dann einer der wenigen Aufreger des Rennen: Norris stellte seinen McLaren in der Boxenausfahrt ab. Was wegen einem abgeknickten Rad zuerst nach einem Fahrfehler aussah, stellte sich als eine brennende Bremse hinten rechts heraus.

Zu Beginn der 26. Runde bog Vettel in die Box ab. Da hatten außer Rot und Silber quasi schon alle Piloten ihre Schlappen von Soft auf Hard getauscht. Ferrari und Mercedes waren jedoch auf dem härteren Medium ins Rennen gegangen. Vettel ließ sich ebenfalls den Hard aufziehen. Vorsprung auf Hamilton: 2,6 s. Zurück auf der Strecke fand sich der Wahl-Schweizer auf P3 wieder. Mercedes funkte prompt an Hamilton: „It’s Hammertime“. Der Brite gab Gas, hatte jedoch gegen die frischen Gummis von Vettel keine Chance. So holte Mercedes seinen Champ anfangs der 28. Runde ebenfalls zum Reifenwechsel an die Box. Vettel setzte derweil mit 1:15,333 eine neue Bestzeit und war Hamilton nun um knapp 3,8 Sekunden voraus.

Montreal: Vettel kommt von der Strecke ab

Die entscheidende Szene stand aber noch an. Hamilton konnte auf dem Hard ein schnelleres Tempo gehen und den Abstand Zehntel für Zehntel abknabbern. Anfangs Runde 33 besuchte endlich Leclerc seine Mannen, womit Vettel und Hamilton wieder P1 und P2 innehatten. In der 39. Runde lag der Brite erstmals im DRS-Fenster. Vettel wiederum erhielt in der 45. Runde die Anweisung, auf die Temperaturen zu achten. Dann in Runde 48 der Schnitzer: Vettel kam in Kurve vier von der Strecke ab, rutschte über das Gras und wieder auf die Strecke. Hamilton war sofort ran und musste in die Eisen gehen. Dabei keilte sich der Brite zwischen Vettels Renner und der nahen Mauer quasi selbst ein.

In Runde 51 dann die Meldung, dass die Rennleitung den Vorfall untersucht. Diese ließ sich Zeit, während Hamilton Vettel über den Circuit Gilles Villeneuve hetzte. Der Deutsche war gut drauf und knallte mit 1:14,903 eine neue Bestzeit hin. Kurz darauf konterte Bottas mit einer 1:14,895. Dann der Schock: Die Kommissare sprachen gegen Vettel eine Strafe von fünf Sekunden aus. Grund: unsichere Rückkehr auf die Strecke.

Der GP Kanada 2019 war damit quasi entschieden, Hamilton zu der Zeit nur 2,6 Sekunden zurück. Vettel musste also mindestens 2,5 Sekunden herausfahren. Das schien anfangs sogar zu klappen. In Runde 58 knallte der Deutsche eine 1:14,875 in die Bahn, neue Bestzeit. Abstand auf Hamilton: 2,9 Sekunden. Doch dann drehte der Brite auf. In Runde 59 verkürzte Hamilton den Abstand auf 2,5 Sekunden, während Leclerc mit 1:14,672 eine neue Bestmarke setzte. Diese schraubte der Monegasse wenig später noch mal auf eine 1:14,356 runter. Derweil lag Hamilton schon im DRS-Fenster zu Vettel. Abstand: nur noch 0,8 Sekunden.

GP Kanada 2019: Hamilton jagt Vettel

Diesen Abstand hielt Hamilton konstant. Scheinbar wollte der Brite die Sache auf der Strecke regeln, statt den Sieg am grünen Tisch geschenkt zu bekommen. Doch Hamilton fand keinen Weg am Ferrari vorbei, selbst das DRS und die zwei Runden jüngeren Reifen brachten nichts. Vettel hingegen kam nicht weg. Zumal nun auch Leclerc schneller fuhr und aufholte. Zwei Runden vor Schluss lang der Youngster nur noch 6,8 Sekunden zurück, womit nun sogar der zweite Platz in Gefahr war.

Apropos Schluss: In Runde 68 funkte Mercedes an Bottas „Box, Box, Box“. Da schielte jemand auf den Extrapunkt für die schnellste Runde, die Bottas auch gelingen sollte. Die eigentliche Action aber spielte sich weiter vorn ab, wo Hamilton nach wie vor Vettel jagte – aber nicht an diesem vorbeikam. So ging das Rennen dann auch zu Ende. Vettel gewann den GP Kanada 2019 nach 70 Runden vor Hamilton sowie Leclerc. Wegen der Zeitstrafe fiel Vettel jedoch auf Platz zwei zurück. Glück im Unglück: Leclerc lag weit genug zurück. Ebenfalls in den Top 10: Bottas, Verstappen, Ricciardo, Hülkenberg, Gasly, Stroll und Kwjat.

Skurrile Szenen nach dem GP Kanada 2019

Während Hamilton im Parc Ferme jubelte, marschierte der Deutsche wütend davon. Statt brav bei Martin Brundle ein erstes Interview zu geben und danach auf dem Podium zu feiern, verschwand Vettel im Motorhome von Ferrari. Mitarbeiter des Teams wie auch der FOM (Formula One Management) mussten den „Sieger“ regelrecht überreden, zur Siegerehrung zu kommen. Wobei eine Zuwiderhandlung wohl eine weitere Strafe bedeutet hätte. Vettel jedenfalls ließ sich überreden, stapfte durch die Mercedes-Box (!) in die Boxengasse und winkte der aufjubelnden Menge zu.

Prompt folgte die nächste skurrile Szene: Vettel stibitzte das Platzschild mit der „1“ für den Sieger von Hamiltons Mercedes und stellte dieses vor seinen Ferrari. Die Menge jubelte erneut auf. Auf dem Podium zeigte der Deutsche allerdings Sportsgeist. Als die Zuschauer Hamilton ausbuhten, bat ausgerechnet Vettel um Verständnis für den Briten. Der wieder zog Vettel zu sich hinauf auf das Podium des Siegers, was Vettel zuließ, dann aber brav wieder hinabstieg. Dabei ließ der Deutsche allerdings – ob mit Absicht oder ohne – einen Fuß auf dem obersten Platz. Wie um zu zeigen: Der Sieg beim GP Kanada 2019 gehört eigentlich mir.

Fakt ist: Vettel machte einen Fehler, den die Rennleitung bestrafte. Wie „gerecht“ diese Strafe ist, sei dahingestellt. Ferrari hat bereits Einspruch angemeldet. Ob dieser tatsächlich erfolgt, ist offen. Ebenfalls Fakt: Hamilton machte mit seinem fünften Sieg im siebten Rennen einen großen Schritt zum Titel. Der Brite steht nun bei 162 Zählern. Bottas als erstes Verfolger liegt bereits 29 Punkte zurück und hält bei 133 Punkten. Vettel als Dritter kommt auf 100 Punkte, Verstappen als Vierter auf 88. Ähnlich schaut es bei den Teams aus. Mercedes ist mit nun 295 Punkten regelrecht enteilt. Ferrari und Red Bull kommen lediglich auf 172 bzw. 124 Zähler.

GP Kanada 2019: Vettel-Strafe gerecht oder nicht?

So oder so: nach dem GP Kanada 2019 bleibt die Frage, ob die Strafe für Vettel richtig war oder nicht? Konnte Vettel überhaupt anders auf die Strecke zurückfahren? Also in sicherer Weise? Die meisten Experten wie Marc Surer sagen nein. Erst ging es quer über die Wiese, danach musste Vettel seinen Ferrari erst mal wieder unter Kontrolle bringen. Das Abdrängen von Hamilton kann daher kaum Absicht gewesen sein. Zugegeben: Die Situation war brenzlig. Aber hätte Vettel (oder ein anderer) sie besser lösen können?

Auf der anderen Seite: Hätte Vettel den Fehler nicht gemacht, hätte er nicht die Strecke verlassen. Der Schnitzer lag klar beim Deutschen. Trotzdem: Einen Schaden gab es ebenso wenig wie einen Zeitgewinn für Vettel. Im Gegenteil, der Deutsche verlor Zeit. Von daher scheint die Strafe zu drastisch. Zumal die Piloten immer wieder freies Fahren und weniger Strafen fordern.

Was sagst du? War die Strafe verdient? Oder nicht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Bild: Daimler

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