GP Belgien 2019: Leclerc beendet mit ersten Sieg Ferrari-Durststrecke

GP Belgien 2019: Leclerc beendet mit ersten Sieg Ferrari-Durststrecke

Endlich: Ferraris Durststrecke ist beendet. Charles Leclerc bescherte den Roten beim GP Belgien 2019 den ersten Saisonsieg – und sich seinen ersten. Nach dem starken Qualifying war dieser aber eine verdammt enge Kiste.

In Maranello können nach über zehn Monaten wieder die Glocken läuten. Die Roten gewannen den GP Belgien 2019, bei welchem sie die großen Favoriten waren. Allerdings war es nicht Altmeister Sebastian Vettel, sondern Jungspund Charles Leclerc, welcher der Scuderia den ersten Sieg in der laufenden Saison schenkte. Was aber ebenfalls kein Wunder war. Zwar war Vettel in FT1 noch der Schnellste, danach aber war Leclerc nicht mehr zu schlagen. Erster in FT2, Erster in FT3, Erster im Qualifying. Und zwar sieben Zehntel vor Vettel, der wiederum nur hauchdünn Hamilton schlagen konnte. Leclerc eroberte jedenfalls beim GP Belgien 2019 nach Bahrain sowie Österreich seine dritte Pole Position.

Auch beim Start blieb der Monegasse cool – und kam bestens weg. Vettel startete weniger gut und musste sich prompt Hamilton erwehren. Der Brite ging vorbei, doch Vettel konnte vor Les Combes dank der schieren Top Speed seines Ferrari kontern. Zu der Zeit war Max Verstappen schon aus dem Rennen. Wie in Deutschland und Österreich erwischte der Niederländer einen miesen Start. In La Source machte Räikkönen die Tür zu, Verstappen knallte dem Iceman in die Seite und hebelte diesen sogar aus. In Eau Rouge brach dann die Radaufhängung des Red Bull, Verstappen rauschte in die Bande. Aus. Safety Car.

GP Belgien 2019: frühes Verstappen-Aus

Die Überraschung war hingegen Lando Norris, der plötzlich auf P5 lag. Kimi rollte derweil an die Box und holte sich eine neue Nase ab. Das Feld zuckelte jedenfalls hinter dem Safety Car her. Die Top 10 hießen: Leclerc, Vettel, Hamilton, Bottas, Norris, Grosjean, Magnussen, Perez, Gasly, Stroll. Zur dritten Runde sollte das Safety Car reinkommen. Sollte. Denn bevor dieses in die Box abbiegen konnte, stand auf einmal Sainz am Streckenrand. Also ließ die Rennleitung das Safety Car draußen.

In Runde fünf gab es dann doch grünes Licht, Leclerc rauschte prompt davon. Nur eine Runde später hatte der Monegasse schon 1,5 Sekunden Vorsprung. Freilich kein Wunder, brannte der Ferrari-Fahrer doch eine Bestzeit nach der anderen in den Ardennen-Asphalt. In Runde acht unterbot dann Vettel die Bestzeit. Leclerc unterlief derweil ein kleiner Fahrfehler. Machten da etwa schon die Reifen schlapp? Tatsächlich meldete Hamilton am Funk, dass Vettel bereits zu kämpfen hatte. Das galt wohl auch für das 2019 vom Reifenthema arg gebeutelte Haas-Team. In Runde zehn schnupften Perez und Gasly Magnussen quasi im Paarflug.

Spa-Francorchamps: Hülk eröffnet Boxenstopps

In Runde zwölf eröffnete dann Hülkenberg die (regulären) Boxenstopps. Auf der Strecke wiederum schnappte sich nun auch Stroll Magnussen. Bottas hingegen knallte mit 1:49,342 eine neue Bestzeit hin. Leclerc konterte kurz darauf mit einer 1:49,004. Kwjat schnupfte wiederum Magnussen, womit der Russe den Dänen aus den Top 10 kegelte. In Runde 14 kam Gasly zum Service, während Magnussen an Giovinazzi die nächste Position verlor. Eine Runde später war Neo-Red-Bull-Pilot Albon am Dänen vorbei. Gleichzeitig rollte Stroll zum Reifenwechsel.

In Runde 16 absolvierte Vettel – ebenso wie kurz darauf Perez – seinen Pflichtstopp und wechselte auf den Medium. Außerdem schien Ferrari etwas am Frontflügel zu verstellen. Zurück auf der Strecke war Vettel nun Fünfter. An Leclerc funkte der Ferrari-Kommandostand: „push, push, push“. Der Monegasse lag knappe fünf Sekunden von Hamilton, der nun Zweiter war. Für Magnussen ging es hingegen erneut eine Position nach hinten, Ricciardo überholte den waidwunden Haas. Wenig später kam Grosjean zum Service, während sich Vettel Norris und damit P4 schnappte. Räikkönen wieder musste sich Perez und außerdem Gasly beugen.

GP Belgien 2019: Gedenken an Anthoine Hubert

In Runde 20 kam Norris zum Service. Ferrari bat Vettel derweil per Funk, auf seine Reifen zu achten. Dennoch war der Deutsche zu der Zeit extrem schnell und nahm den führenden Leclerc zwei Sekunden pro Runde ab. Dieser kam in Runde 22 an die Box und tauschte seinen Soft gegen den Medium. Nach dem Wechsel lag der Monegasse hinter Vettel auf P4. Neuer Erster war Hamilton vor Bottas, doch die Silberpfeile holten sich nun ebenfalls neue Gummis ab. Zur 26. Runde führte daher Vettel 1,6 Sekunden vor Leclerc. Die Top 10 hieß Vettel vor Leclerc, Hamilton und Bottas, dahinter Norris, Giovinazzi, Ricciardo, Perez, Grosjean, Gasly.

Zur selben Zeit durfte sich endlich Magnussen frische Reifen abholen. Parallel bat Ferrari Vettel: „Lass’ ihn vorbei“. Gemeint war Leclerc. Kurz darauf ließ Vettel den Monegassen vor La Source tatsächlich passieren. Weiter hinten schnappte sich Perez Ricciardo. Die Stallorder von Ferrari erwies sich jedenfalls als richtig, Hamilton holte schnell auf Vettel auf. Zur 29. Runde lag der Brite nur noch 1,2 Sekunden hinter dem Deutschen und funkte seiner Crew, dass Vettel durch die Kurven rutschte. Zwei Runden später meldete dann auch Hamilton Probleme mit seinen Reifen, dennoch fuhr der Champ eine halbe Sekunden schneller als der Ferrari. Eine Runde später wagte Hamilton vor der Bus Stop den ersten Angriff, kam aber nicht vorbei. Auf der Kemmel ritt Hamilton die nächste Attacke – und eroberte P2. Auf den führenden Leclerc fehlten dem Mercedes-Star allerdings an die 6,5 Sekunden.

Albon dreht auf der Ardennen-Achterbahn an

Weiter hinten gab auch ein gewisser Alexander Albon kräftig Gas. Nach einem Antriebswechsel und entsprechender Strafversetzung eroberte der nur von P17 gestartete Brite mit thailändischer Lizenz gerade den zehnten Platz – von Gasly. Nur eine Runde später schnappte sich der Rookie Grosjean. Vettel hingegen überraschte in jener 34. Runde mit einem zweiten Stopp und ließ sich noch einmal den Soft aufziehen. Zwischenstand zehn Runden vor Schluss: Leclerc vor Hamilton und Bottas, Vettel, Norris, Perez, Ricciardo, Kwjat, Albon, Grosjean.

Die letzten Runden ging es dann noch mal richtig rund. Speziell Albon war im Vorwärtsdrang. In Runde 35 schnappte sich der Youngster mit einem Top-Manöver Ricciardo auf P8. Vettel wiederum brannte zwei Runden später auf dem Soft eine 1:46,409 den Asphalt. Der Deutsche war damit sieben Zehntel schneller als Bottas, lag aber 18 Sekunden hinter dem Finnen. Wenig später kassierte Albon seine früheren Teamkollegen Kwjat auf P7. Währenddessen war Hamilton klar der Schnellere und holte Kurve für Kurve auf Leclerc auf. In Runde 39 betrug der Vorsprung des Monegassen nur noch 5,8 Sekunden. Auch Ricciardo schien in Not. Erst musste sich der Aussie Grosjean beugen, dann Gasly.

GP Belgien 2019: Leclerc rettet den Sieg

Anfangs der 40. Runde war Leclercs Vorsprung auf unter fünf Sekunden geschrumpft. Eine Runde später schnappte sich Hülkenberg Grosjean, kurz darauf war auch Stroll am Franzosen vorbei. Runde 41: Leclercs Abstand betrug nur noch 3,0 Sekunden. Ricciardo wiederum verlor gleich zwei Positionen. Eine an Hülkenberg, die zweite an Stroll. Runde 42: Leclerc lag nur noch 2,1 Sekunden vor Hamilton. Das wurde eng. Schließlich ging der Monegasse in die letzte Runde – und die wurde richtig hektisch.

Hülkenberg schnappte sich Gasly auf P9. Dann flog Giovinazzi in Kurve elf in die Reifenstapel. Gelb in Sektor zwei. Norris wiederum rollte auf der Zielgeraden aus. Albon schnappte sich Perez, wobei der Mexikaner den Red-Bull-Junior mit zwei Reifen auf die Wiese drückte. Dann fiel die schwarz-weiße Flagge. Leclerc gewann eine knappe Sekunde vor Hamilton, auf P3 folgte Bottas. Außerdem in den Top 10: Vettel, Albon, Perez, Kwjat, Hülkenberg, Gasly, Stroll.

Leclerc trug sich jedenfalls beim GP Belgien 2019 als 108. Sieger in die F1-Analen ein. Für einen Monegassen ist es der erste Sieg überhaupt, womit das Fürstentum wieder der 23. Staat in der Siegerliste der Formel 1 ist. Für Ferrari schließlich ist Belgien der erste Sieg seit über zehn Monaten, als Kimi Räikkönen in Austin 2018 gewann. Leclerc – der wie alle Fahrer und Crews Trauerflor trug – widmete seinen Sieg übrigens dem gestern tödlich verunfallten Anthoine Hubert. Ebenfalls eine schöne Geste: Zur 19. Runde klatschten die Zuschauer rund um die Strecke Beifall. Mit der 19 ging der Franzose in der Formel 2 an den Start. Anthoine wurde 22 Jahre alt…

Bild: Ferrari

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