GP Bahrain 2019: Hamilton siegt nach Defekt bei Leclerc

GP Bahrain 2019 Hamilton siegt vor Bottas und Leclerc

Schnellste in allen Trainings und im Qualifying, den Sieg schenkte der Renngott den Roten beim GP Bahrain 2019 dennoch nicht. Leclercs Siegesfahrt bremste ein defekter Zylinder, der Sieg kassierte Hamilton…

Wenn ein Fahrer dem GP Bahrain 2019 seinen Stempel aufdrückte, dann Charles Leclerc. Der Youngster setzte Bestzeit im ersten Training (vor Vettel), war Zweiter im zweiten Training (hinter Vettel), wieder Erster im dritten Training (vor Vettel) und Schnellster im Qualifying (vor Vettel). Mercedes war hingegen das ganze Wochenende ohne Chance. Das ganze Wochenende? Leider doch nicht so ganz.

Den Start versemmelte der Youngster wie zuletzt Hamilton in Australien. Vettel war prompt vorbei, ebenso wie Bottas. Den Superstart schlechthin legte allerdings Nico Hülkenberg hin, der in der ersten Runde gleich mal fünf Plätze gutmachte. Romain Grosjean war wiederum plötzlich Letzter. In Runde zwei machte dann auch Bottas einen Fehler. So kam erst Leclerc wieder vorbei, dann auch Hamilton. Leclerc jedenfalls drehte voll auf, schon in Runde fünf war der Monegasse wieder an Vettel ran. Eine Runde später machte Leclerc kurzen Prozess: Per DRS war der letztjährige Sauber-Fahrer Ende Start-Ziel an Vettel vorbei. Erneute Führung für Leclerc.

GP Bahrain 2019: Leclerc geht in Führung…

Die ersten Meter konnte sich Vettel noch im DRS-Fenster halten, doch schon in Runde acht war Leclerc 1,5 Sekunden voraus. Bottas musste derweil immer mehr abreißen lassen und lag schon sieben Sekunden hinter Hamilton. Der wieder konnte halbwegs das Tempo von Vettel mitgehen. Wie zuvor im Lager der Silberpfeile gehofft, war Mercedes im Renntrimm näher dran an Ferrari.

Dann gingen die ersten Fahrer an die Box. Räikkönen, Albon sowie Gasly holten sich schon in Runde zehn frische Gummis ab. Die Top 8 in Runde zwölf: Leclerc, Vettel (+2,8 s), Hamilton (+4,4 s), Bottas (+8,3 s), Verstappen (10,5 s), Ricciardo +17,3 s), Hülkenberg (19,6 s) sowie Kwjat (+28,0 s). Apropos Renault: Ricciardo und vor allem Hülk waren im Rennen bärenstark unterwegs. Nach dem desaströsen Qualifying (Ric 11., Hülk 17.) drehten die Schwarz-Gelben im Rennen mächtig auf und waren klar die vierte Kraft.

In Runde elf tauschte dann Verstappen seine Soft gegen Medium. Eine Runde später machte es ihm Bottas nach. Wegen dem Undercut des Niederländers lag der Finne nun jedoch hinter Verstappen. Wieder eine Runde später kamen Leclerc und Hamilton im Paarflug an die Box. Im Gegensatz zu Leclerc und Bottas (Medium) setzte Mercedes bei Hamilton allerdings noch mal auf Soft. Eine Runde später schnappte sich Bottas Verstappen, der beim Grand Prix Bahrain 2019 keine allzu große Rolle spielen sollte. Dennoch hielt der Niederländer die Red Bull-Fahnen erneut allein hoch. In Runde 14 kam schließlich Vettel an die Box – und lag plötzlich hinter Hamilton.

Leclerc brennt in Bahrain Feuerwerk ab

Von allem unbeeindruckt: Charles Leclerc. Dieser nahm Hamilton trotz härterer Reifen (Medium statt Soft) in Runde 16 eine ganze Sekunde ab und brannte damit die schnellste Runde in den bahrainischen Asphalt. Deutlich langsamer unterwegs war dagegen Daniel Ricciardo, der sich mehr und mehr als 1-Mal-Stopper entpuppte. Kollege Hülk (Stopp in Runde 13) setzte wiederum auf zwei Stopps und war nur noch 13 Sekunden zurück. In Runde 21 lag Leclerc knappe sechs Sekunden in Front, während Hamilton bereits Vettel wieder im Getriebe hatte. In der gleichen Runde schnappte sich Hülk Räikkönen, war damit nun Siebter. Abstand auf Ricciardo: nur noch sechs Sekunden.

Kurz darauf funkte Hamilton, das seine Hinterräder (Soft) „hinüber“ wären. Schon ging Vettel per DRS am Briten vorbei, womit der Deutsche wieder Zweiter war. Runde 25: Leclercs Vorstand war inzwischen auf acht Sekunden gewachsen. in der gleichen Runde kam endlich Ricciardo an die Box und wechselte von Soft auf Medium. Der Australier war somit definitiv auf einen Stopp ausgelegt, was dessen eher schlechte Pace erklärte. Die Top 8 in Runde 27: Leclerc führte vor Vettel (+8,0 s), Hamilton (+10,4 s), Bottas (+19,6 s), Verstappen (+25,0 s), Hülkenberg (+41,6 s), Norris (+45,3 s) sowie Räikkönen (+45,8 s).

In Runde 32 dann eine ulkige Szene: Lance Stroll im Racing Point rundete sich – auf frischen Reifen – gegen Verstappen zurück. Das Manöver erinnerte an Brasilien 2018, als Verstappen bei einem ähnlichen Manöver von Ocon dagegenhielt und die Autos crashten. Beim GP Bahrain 2019 ging jedoch alles gut, der Niederländer blieb cool. Kurz darauf rollte Verstappen an die Box und ließ sich einen neuen Satz Medium aufziehen. Ganz sauber lief der Stopp bei den Red Bull-Mannen allerdings nicht. Gleich danach wechselte Hamilton auf Medium. Ferrari wiederum reagierte auf den Undercut und holte prompt Vettel rein, der ebenfalls Medium aufzog.

GP Bahrain 2019: Vettel-Dreher nach Hamilton-Attacke

Viel wichtiger jedoch: Der Deutsche blieb dieses Mal vor Hamilton, wenn auch nur knapp. Tatsächlich war Hamilton sofort auf Tuchfühlung, wobei sein Silberpfeil mit den Medium-Schlappen nun viel besser zurecht kam. Die erste Attacke konnte Vettel allerdings noch kontern. Stattdessen kassierte der Ferrari-Star Bottas, der auf seinen alten Walzen aber keine Chance hatte. Der Finne steuerte auch prompt die Box an, womit Hamilton kampflos vorbeiging.

Schon wagte Hamilton den nächsten Angriff – und kassierte Vettel. Dieser hielt wieder gegen und drehte sich plötzlich. Gab es da etwa eine Berührung? Nein. Die Zeitlupe zeigte Eigenverschulden. Schlimmer noch: Vettel ruinierte sich bei dem Dreher die Reifen. Böse Vibrationen fetzten ihm daher wenig später den kompletten Frontflügel weg, was in der Dunkelheit einen spektakulären Feuerball zeigte. Vettel jedenfalls musste prompt erneut an die Box. Zurück auf der Strecke, war der Deutsche nur noch Neunter. Dafür hatte der vierfache Weltmeister für den Schlussspurt nun frische Soft-Gummis auf den Achsen.

Drei Runden später war Vettel schon an Norris vorbei, somit nun Achter. Vor ihm das Renault-Duo, das kurz zuvor spektakulär die Plätze tauschte. Hülk rauschte an Ricciardo vorbei, der seinem Teamkollegen daraufhin leicht in die Kiste rutsche. Folge: Hülk fuhr mit seinem rechten Hinterrad über den Frontflügel von Ricciardo. Kurios: Weder Hülks Reifen noch Rics Flügel nahmen dabei Schaden. in Runde 45 war Vettel Fünfter, hatte also beide Renault geschnupft. Leclerc hingegen lag unangefochten auf Platz eins, zehn Sekunden vor Hamilton.

Renngott ohne Gnade: Motorprobleme bei Leclerc

In Runde 46 kassierte Räikkönen Ricciardo, womit nun der Finne Platz acht innehatte. Dann begann bei Leclerc das Drama. Der Motor wollte nicht mehr so recht. Innerhalb weniger Runden schmolz der Vorsprung des Monegassen dahin. Schon in Runde 48 lag Hamilton im DRS-Fenster. Wenig später war der Brite am wehrlosen Leclerc vorbei, der bis dahin ein fantastisches Rennen geliefert hatte. Später stellte sich heraus: Der Verbrenner arbeitete nur noch mit fünf statt sechs Zylindern.

Würde Leclerc es überhaupt ins Ziel schaffen? Neun Runden waren noch zu fahren. Bottas lag ganze 26 Sekunden zurück, doch der Finne holte mit den berühmten Siebenmeilenstiefeln auf. In Runde 51 fuhr Bottas eine 1:35,4, Leclerc nur eine 1:42,3. Das sah nicht gut aus. Ab Runde 52 gab es aber auch Ärger bei Mercedes, Hamiltons Getriebe fing an zu mucken. Eine Runde später weitete sich das Drama bei Leclerc aus: der Verbrauch wurde kritisch. Schon musste Leclerc Bottas ziehen lassen, womit der Monegasse nur noch Dritter war.

Das nächste Drama lieferte Renault: In Runde 55 standen plötzlich beide Boliden am Streckenrand. An gleicher Stelle. Waren die Teamkollegen etwa zusammengerauscht? Nein. Onboard-Aufnahmen von Ricciardo schienen eher auf einen Defekt der Elektrik zu deuten. Hülk verabschiedete sich hingegen mit rauchendem Triebwerk aus dem GP Bahrain 2019. Bei beiden Renault streikte jedenfalls an gleicher Stelle und zur selben Zeit die Technik. Sehr kurios und sehr schade. Hülk lag nach einem fulminanten Rennen auf Platz sechs, Ric ebenfalls in den Top 10. Da büßten die Franzosen gute Punkte ein.

Rennergebnis GP Bahrain 2019

Die Renner standen zudem ungünstig, weswegen die Rennleitung das Safety Car auf die Strecke schickte. Hinter diesem winkte man das Rennen dann auch zwei Runden später ab. Übrigens erst zum achten Mal in der Geschichte der Formel 1, trotz dem mittlerweile 999. Rennen. Für Leclerc war das Safety Car jedenfalls Glück im Unglück, konnte der Monegasse so Platz drei retten. Der Doppelsieg ging hingegen an Silber…

Hinter den Top 3 – Hamilton, Bottas, Leclerc – querten schließlich Verstappen, Vettel, Norris, Räikkönen, Gasly, Albon und Perez die Ziellinie. Norris, Gasly, Albon sowie Perez holten ihre ersten WM-Zähler 2019. Albon und Perez profitierten vor allem vom (doppelten) Renault-Ausfall. Den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde kassierte Leclerc, womit der Monegasse 16 statt 15 Punkte einsacken konnte.

Fazit: Ferrari hätte das Rennen ohne technische Probleme sicher gewonnen, Mercedes staubte eher unverdient den Sieg ab, doch so ist Motorsport nun mal. Red Bull hatte im Rennen nichts zu melden. Speziell Gasly sah wie schon in Australien blass aus. Die Renaults zeigten dagegen ein tolles Tempo, vor allem Hülk auf der zwei-Stopp-Strategie. Haas wiederum war plötzlich im Nirgendwo. Magnussen – von sechs gestartet – hatte schlicht keinen Grip und wurde Position für Position durchgereicht. Ins Ziel kam der sonst schnelle Däne mit einer Runde Rückstand nur auf Platz 13. Gründe: kein Grip und mangelnder Top Speed. Grosjean wurde gleich am Start von Stroll auf die Hörner genommen und musste wegen einem Plattfuß an die Box humpeln. Wenig später gab er wegen der Kollision ganz auf.

Bilder: Daimler & Formula 1 / Twitter

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