Die Verlierer in Australien 2019: Ferrari, Hamilton, Williams

Die Verlierer in Australien 2019: Ferrari, Hamilton, Williams

Das erste F1-Rennen 2019 ist gelaufen, der erste Sieger gekürt. Doch neben diesen gab es auch etliche Verlierer. Allen voran natürlich Ferrari, galten die Roten doch als Topfavorit schlechthin. Wer sonst noch böse verloren hat…

Okay, über den großen Verlierer in Australien brauchen wir nicht reden. Während Mercedes mit Valtteri Bottas einen Bilderbuchsieg feierte, bekam Ferrari richtig eins vor den Latz geknallt. Und zwar mit Karacho und Anlauf. Schon im Qualifying lagen die Roten sieben Zehntel hinter den Silbernen. Damit verpasste Mercedes der Konkurrenz aus Maranello eine Watschn vom feinsten. Das hatte nach den Testfahrten niemand erwartet. Nicht Ferrari, angeblich nicht mal Mercedes. Ich auch nicht. Gut, Mercedes stapelt bekanntlich gern tief. Toto Wolff ist in diesem Fach ein absoluter Meister.

Aber dass Silber sieben Zehntel vor Rot liegt? So halbwegs gleichauf, ja. Aber so weit vorn? Ich hoffe ja (noch) das beste. Das sich Ferrari in der Abstimmung vergriffen hat. Die Reifen nicht zum arbeiten brachte. Irgendwas in der Art. Wenn es in Bahrain wieder so mies läuft, Prost Mahlzeit. Dann marschiert Mercedes zum Titel-Duo Nummer sechs wohl durch. Doch wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Also lasst uns hoffen…

Ferrari war in Australien der große Verlierer

Fakt ist: Ferrari hat in Down Under eine verdammt böse Klatsche kassiert. Sieben Zehntel im Qualifying, im Rennen noch langsamer. Nach dem Boxenstopp ging quasi nix mehr. Verstappen zog an Vettel vorbei, also ob dieser parkt. Leclerc schien hingegen ein besseres Tempo gehen zu können. Tatsächlich war der Monegasse auf seiner schnellsten Rennrunde eine (!) Sekunde schneller als der Deutsche. Leclerc fuhr in Runde 58 eine 1:26,926, Vettel schaffte lediglich eine 1:27,954 – und zwar schon in Runde 16. Bei Leclerc ging es also vorwärts, bei Vettel eher rückwärts. Allerdings konnte auch Leclerc nicht mit Hamilton (1:26,057) oder gar Bottas (1:25,580) mithalten. Selbst auf Verstappen (1:26,256) fehlte eine Menge Holz. Alle drei brannten ihre schnellste Rennrunde übrigens in Runde 57 in den australischen Asphalt.

Bei Vettel muss also irgendwas nicht gepasst haben. Zumal auch Gasly, Kwjat und Stroll um jeweils mehrere Zehntel schneller waren. Ferrari bzw. auch Vettel zu den Verlierern des Rennens zu küren, ist trotz Platz vier also nicht weithergeholt. Wobei Leclerc ohne Teamorder wohl ebenfalls noch vorbeigegangen wäre. Auf Bottas fehlten Vettel übrigens fast 2,4 Sekunden, auf Hamilton 1,9. In der F1 bekanntlich eine Welt…

Weitere Verlierer beim GP Australien 2019

Apropos Hamilton: Den Champ sehe ich ebenfalls als einen Verlierer des ersten Rennens. Gut, er brachte seinen waidwunden Boliden – ein Loch im Unterboden ist belegt – auf dem zweiten Platz ins Ziel. Die 18 Punkte können am Ende des Jahres verdammt wichtig sein. Gegenüber Bottas sah Ham im Rennen aber einfach alt aus. Vom verbockten Start wollen wir mal gar nicht reden. Wobei dieser noch nie eine Stärke des Briten war. Rosberg war da oft besser. Hamilton jedenfalls sah in Australien – trotz Pole – mal wieder eher blass aus. Die letzten vier Jahre stand Ham durchweg auf Pole, gewinnen konnte er aber nie. Stattdessen immer nur Platz zwei. 2016 hinter Nico Rosberg, 2017 und 2018 hinter Sebastian Vettel, 2019 nun hinter Valtteri Bottas…

Ein weiterer Verlierer: Lokalmatador Daniel Ricciardo. Ausgerechnet vor Heimpublikum rasierte sich der Aussie gleich am Start den Frontflügel ab und musste später sogar aufgeben. Sein Nachfolger bei Red Bull schaute im ersten Rennen übrigens nicht viel besser aus. Wobei: Für das Aus in Q1 kann Pierre Gasly nix. Dann aber hinterhergurken, während der Teamkollege Honda das erste Podium seit acht Jahren bescherte, war sicher nicht der Plan. Zugegeben: Auf dem eigenwilligen Albert Park Circuit war viel mehr kaum drin. Ein zwei Punkte hätten es aber schon sein müssen. Auch Red Bull- bzw. Toro Rosso-Kollege Albon konnte mich bei seinem Debüt nicht überzeugen. Dafür sah mir der Brite mit thailändischen Wurzeln (und Rennlizenz) etwas dolle blass aus. Vor allem im Vergleich zu den anderen Rookies Lando Norris und George Russel. Ich hoffe mal, da kommt noch was.

Williams als einziges Team im Rückschritt

Russel ist übrigens ein gutes Stichwort. Der Youngster hat sich im gnadenlos unterlegenen Williams gut geschlagen. Die einzige Referenz – Teamkollege Robert Kubica – hatte der junge Brite das (fast) ganze Wochenende klar im Griff. Ob sich Kubica mit seinem Comeback wirklich einen Gefallen tut? Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Nach Australien neige ich zu einem Nein. Im ersten Training hatte Kubica gegenüber Russel noch die Oberhand. Danach aber schlug der amtierende Formel-2-Meister zurück, Kubicas Rückstand wuchs mit jeder Trainingseinheit. Nicht falsch verstehen: Das der „Killer“ wieder da ist, freut mich. Aber Williams ist vielleicht das falsche Team. Davon ab scheint Kubicas Zeit vorbei. Dennoch drücke ich dem Polen die Daumen. Dass er es überhaupt in die Formel 1 zurückgeschafft hat, Respekt!

Apropos Williams: Das britische Traditionsteam ist nach Ferrari wohl der größte Verlierer. In den 1980ern und 1990ern gewann das Team Titel am Fließband. Heute ist Williams nur noch ein trauriger Schatten dieser ruhmreichen Tage. Als einziges Team verlor Williams gegenüber 2018 Zeit. Letztes Jahr legte der schnellste Williams (Lance Stroll) noch eine 1:24,230 hin. 2019 schaffte Russel nur noch eine 1:24,360. Abstand 2018 zur Pole: knapp 3,1 Sekunden. 2019: fast 3,9 Sekunden. Während alle anderen Teams Zeit fanden – Alfa bzw. Sauber sogar fast 2,2 Sekunden – ist Williams nicht nur stehengeblieben, sondern machte sogar einen Fußbreit zurück. Der FW42 ist langsamer als 2018.

Tobt bei Williams ein Machtkampf?

Kein Wunder, dass es mittlerweile böse Gerüchte um die Briten gibt. Die Belegschaft wehrt sich gegen Überstunden, lästert (angeblich) in Online-Foren sogar offen über den Arbeitgeber. Die Moral ist am Nullpunkt. Hinter den Kulissen soll zudem ein Machtkampf toben. Das erste Opfer noch vor dem Saisonstart: Paddy Lowe. Diesen schickte man nach den vermurksten Testfahrten in den Urlaub. Aus „privaten Gründen“, wie es offiziell heißt. Feuern kann Williams den in Nairobi geborenen Briten jedenfalls nicht so einfach: Lowe besitzt Anteile am Team. Das hindert Williams freilich nicht, Lowe den verpennten Testauftakt in die Schuhe zu schieben. Wobei: Als Technikchef liegt der Bolide – und damit dessen Zusammenbau – bei Lowe. Allerdings kann es kaum sein, dass der Mann plötzlich seinen Job verlernt hat. So hätte Lowe bei Mercedes nicht mehrere Titel gewonnen. Davon ab hätte Mercedes wohl nicht so lange an den Briten festgehalten. Schon gar nicht als Technischer Direktor.

Wobei es nicht nur zwischen Teamchefin Claire Williams und Technikchef Lowe einen Machtkampf geben soll. Auch intern in der Familie Williams schwelt angeblich Streit, wie Christian Nimmervoll berichtet. Claire hat noch zwei Brüder. Einer (James) lebt in London und hat mit Motorsport nichts am Hut. Der andere – Jonathan – aber sehr wohl. Aktuell leitet Jonathan den Ableger „Williams Heritage Cars“ und kümmert sich dort um den Einsatz historischer Williams-Boliden. Nur: Jonathan wollte wohl mehr – und zwar den Chefposten beim F1-Team. Claire jedoch soll Mama Virginia so lange beackert haben, bis diese ihren Mann (und nach wie vor offiziellen Teamchef) Frank überredete, Claire zur „Chefin“ zu machen. Das wieder nimmt Jonathan seiner Schwester angeblich übel. Wenn das so stimmt, natürlich zu recht.

Ist Claire Williams nicht ganz ehrlich?

2018 sollte Jonathan sogar den Chefposten übernehmen. Ex-F1-Chef Bernie Ecclestone wollte bei Williams ein neues Management installieren – mit Jonathan an der Spitze. Doch Jonathan sagte ab. Heißt es…

Bernie jedenfalls wollte seinem alten Kumpel Frank einen Gefallen tun. Denn das bei dem Rennstall etwas böse im argen liegt, ist offensichtlich. Ebenso wie der Punkt, das Claire wohl nicht die richtige für den Job ist. Claire soll sogar die Gerüchte um Lowes Entlassung gestreut haben. Damit dieser von selbst geht. Den Gefallen hat Lowe ihr aber (noch) nicht getan. So oder so: Claire dürfte dessen „Abschied“ freuen, denn Lowe werden schon länger Ambitionen auf ihren (Chef)Posten nachgesagt. Somit war der Ex-Mercedes-Mann eine Gefahr für Claire. Dass der 2019er Williams dem Feld deutlich hinterherfährt, war da ein gefundenes Fressen.

Schneller machen die internen Grabenkämpfe den FW42 aber nicht. Zumal Williams 2018 mit Rob Smedley (Chefingenieur), Dirk de Beer (Aero-Chef) und Ed Wood (Chefdesigner) schon einige kluge Köpfe verlor. Interessant: Auch Smedley ging offiziell aus privaten Gründen. Hinter der Hand munkelt man in der Boxengasse jedoch von einem weiteren Machtkampf – mit Paddy Lowe.

Bild: Ferrari

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.