GP Australien 2019: Bottas siegt vor Hamilton und Verstappen

Grand Prix von Australien 2019

Nach dem Qualifying zum GP Australien 2019 war kein spannendes Rennen zu erwarten. Denkste. Bottas beschleunigte am Start Hamilton aus und raste auf und davon. Ferrari musste hingegen eine Klatsche einstecken.

Was hab’ ich überlegt: Zum ersten F1-Rennen 2019 aufstehen oder doch ausschlafen? Lewis Hamilton im Silberpfeil – mal wieder – auf Pole. Eine Zehntel dahinter: Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Danach: lange nix. Sebastian Vettel auf Platz drei kassierte bereits sieben Zehntel (!) Rückstand. Das hatte nach den guten Testfahrten in Spanien keiner erwartet. Schon gar nicht Ferrari. Angeblich auch nicht Mercedes. Angeblich. Im Tiefstapeln ist Toto Wolff ja bekanntlich der Großmeister schlechthin.

GP Australien 2019: Das Rennen wurde doch spannend

Egal, um sechs Uhr morgens quälte ich mich aus dem Bett. Fix einen Tee gekocht, Fernseher an. Schon ging’s los. Ham kam gar nicht gut weg, Bottas dafür schon. Vor der ersten Kurve war der Finne vorbei. Yeah, ich hab’ gejubelt. Valtteri hatte einen neuen Bottas versprochen, sich einen Bart zugelegt und wollte die Schmach 2018 wettmachen. Das gelang in Australien prompt, Bottas drehte auf. Schon in der zweiten Runde war Ham aus dem DRS-Fenster. Bamm!

Weniger bamm machte es bei Vettel, der sich gleich mal mit Neo-Teamkollege Leclerc kabbelte und diesen sogar auf’s Gras schickte. Schlecht für den Monegassen, gut für Verstappen, der Leclerc so zurücküberholen konnte. Richtig arg erwischte es allerdings Lokalmatador Daniel Ricciardo, dem eine Bodenwelle den Frontflügel wegfetzte. Nur mit Mühe (und Können) verhinderte Ric einen Crash und schaffte irgendwie die erste Kurve. Respekt. Dennoch: Der Aussie musste ohne Frontbügel eine verdammt lang Runde absolvieren und sich in der Box einen neuen Flügel abholen. Ebenso wie übrigens Comeback-Star Robert Kubica, der im waidwunden Williams auch keinen Stich setzen konnte.

Bottas raste jedenfalls allen davon, scheinbar hing dem Finnen der Teufel selbst im Heck. Hamiltons Abstand wuchs und wuchs. Nach dem Rennen verriet Mercedes, dass der Brite sich ein Loch im Unterboden eingefangen hatte. Das kostete böse Performance. Ob’s stimmt oder Toto seinen Star nur moralisch stützen wollte? Gute Frage. Fakt ist: Fotos belegen hinten links kurz vor dem Rad tatsächlich ein Loch im Unterboden. So ging Hamiltons australischer Leidensweg weiter. Die letzen vier Jahre immer auf Pole, für den Sieg hat es aber nie gereicht. Den staubte nach 58 durchaus kurzweiligen Runden eben Valtteri Bottas. Und zwar mit einer „brutalen Fahrt“, wie Toto Wolff lobte. So viel Vorsprung wie Bottas in Australien (knappe 21 Sekunden) hatte 2018 jedenfalls kein Sieger.

Grand Prix Australien 2019: Der neue Bottas?

Haben wir also tatsächlich einen neuen Bottas gesehen? Ich hoffe es. Quasi eine Art „Auferstehung“ wie damals bei Nico Rosberg. Klar: Ham hatte (angeblich) weniger Performance wegen seinem kaputten Unterboden. Aber: Dieser trat (laut Ham) erst in Runde vier auf. Am Start war dagegen noch alles heil. Den Start versemmelte der Brite selbst. Daher behaupte ich jetzt mal, dass Hamilton auch ohne Schaden nicht an Raketen-Bottas vorbeigekommen wäre. Wobei der Finne auch noch den neuen den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde einheimste. 26 Punkte in einem Rennen sind neuer Rekord.

GP Australien 2019 Valtteri Bottas

Dennoch konnte sich Hamilton – zugegeben nicht offensichtlich – über einen zweiten Platz freuen. Vor Verstappen auf drei, Vettel auf vier und Leclerc auf fünf. Der Niederländer kassierte den Ferrari-Star mit frischeren Reifen und vor allem wegen dessen Bummeltempo. Nach dem Wechsel von Weich (C4) auf Hart (C3) ging bei Vettel quasi nichts mehr. Der Ferrari war nach dem Stopp eine lahme Gurke. Verstappen ging fast im Spaziergang vorbei und bescherte dem neuen Motorenpartner Honda das erste Podium seit 2008. Top von Max und Glückwunsch an die neue Kombi Red Bull-Honda. Die Japaner scheinen endlich den Anschluss gefunden zu haben.

Wobei das Rennen in Down Under – sonst eher eine langweilige Prozession – fast schon spannend war. Das Mittelfeld kämpfte hart. Haben der neue, simplere, dafür breitere Frontflügel sowie der größere Heckflügel (mehr DRS-Effekt) also das gebracht, was die Macher erwartet hatten? Jein. Die neuen Regeln scheinen zu funktionieren, viele Fahrer melden nach dem Grand Prix von Australien 2019 mehr Grip beim Hinterherfahren. Ein zweiter Grund für die „vielen“ Überholmanöver auf dem Albert Park Circuit in Melbourne war allerdings Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo (ex Sauber). Der Italiener hielt auf alten Reifen viele viele Runden schnellere Fahrer auf – dank der „eigenwilligen“ Strecke in Down Under.

GP Australien 2019: Wer steht wo?

Action kam daher vor allem nach den Boxenstopps auf. Bei denen erlebte Haas übrigens ein unschönes Déjà-vu. Kaum aus der Box, rollte Grosjean aus. Kameras zeigten ein böse schlackerndes Rad vorn links. Hatten die Amis schon wieder den Stopp vergeigt? Ja und nein. Dieses Mal bekamen die Haas-Mannen zwar Rad und Mutter fest, letztere brach jedoch wenig später aufgrund der Gewalt beim Ab- oder Festziehen. Das lose Rad war also nicht unbedingt ein Abbild des 2018er Dilemmas, bei dem Haas damals sogar gleich beide Autos verlor. Dieses Mal brachte Haas zumindest Magnussen ins Ziel – auf Platz sechs.

Damit war Haas beim Grand Prix von Australien 2019 vierte Kraft. Mal schauen, ob die Amis diesen Platz halten können. Mercedes lag in Down Under jedenfalls vorn lag. Deutlich vorn. Dahinter folgen – etliche Zehntel abgeschlagen – Ferrari und Red Bull. Wobei der Albert Park aufgrund seines „eigenen“ Charakters alles andere als aussagekräftig ist. Andersherum: Wer in Australien schnell ist, ist es wohl überall. Warten wir jedoch erst mal Bahrain und auch China ab. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Ferrari in Bahrain wieder so vergeigt. Wenn doch, haben die Roten ein Problem.

Ranking Formel 1 2018: Mercedes vorn…

Gleiches gilt für Renault. Das Werksteam hatte gegen Haas keine Chance, Hülk war mit dem R.S.19 nicht wirklich glücklich. Hängt man auch in Bahrain hinterher, läuft etwas schief bei den Franzosen. Schließlich wollte Renault diese Saison deutlich näher an den Top-3-Teams dran sein. Davon ab scheint Alfa nicht weit weg. Racing Point (ex Force India) hinkt ebenfalls noch hinterher. McLaren finde ich schwer. Norris stellte den orangen Renner sensationell auf Startplatz acht, hatte im Rennen aber keine Chance.

Über Williams brauchen wir nicht reden. Die beste Williams-Zeit in der Quali war eine Zehntel langsamer (!) als 2018. Alle anderen Teams haben hingegen zugelegt. Am meisten Alfa. Im Vergleich zu 2018 fand Alfa bzw. Sauber ganze 2,2 Sekunden. Aktuell sehe ich jedenfalls Mercedes deutlich vor Ferrari und Red Bull, die Roten leicht vor den Blauen. Haas ist vierte Kraft, Renault knapp dahinter. Dann Alfa sowie McLaren und (gleichauf) Toro Rosso. Racing Point ist noch nicht ganz auf Zack, Williams deutlich abgeschlagen. Ob’s so bleibt? Was meinst du?

Bilder: Daimler

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